• Schrift vergrößern
  • Schrift vergrößern
  • Standard wiederherstellen
  • Schrift verkleinern
  • Schrift verkleinern

Euphorie in der Wirtschaft verpufft

1154011198_gr_fotolia_526068_gr.jpg

Die näher rückende Mehrwertsteuererhöhung belastet die Wirtschaft jetzt schon. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der die Stimmung in der deutschen Wirtschaft spiegelt, ist im Juli überraschend stark abgesackt. Fazit: Die Euphorie der letzte Monate ist verflogen - die Wirtschaft erholt sich aber dennoch weiterhin.

Die Stimmung war im Juli noch immer so gut wie nach dem Wiedervereinigungsboom 1991, auch wenn die Firmen über schlechtere Geschäfte und wachsende Zukunftssorgen klagten. Die Kauflust der Verbraucher ließ nach der Fußball-WM wieder nach.

Seit November 2005 hatte sich die Stimmung in der Wirtschaft kontinuierlich verbessert und nur im Mai einen kleinen Dämpfer erhalten. Analysten hatten seit langem einen Rückgang des Frühindikators erwartet, der seit Monaten die höchsten Werte seit 15 Jahren erreicht. Ein Dämpfer sei in Aufschwungphasen normal, erläuterte Ifo-Experte Hans Russ. Die konjunkturelle Erholung sei stark - "so stark, dass die Mehrwertsteuererhöhung weggesteckt werden kann". Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sprach von einem robusten Aufschwung.

"Der Ölpreis ist das größte Risiko", sagte ifo-Experte Russ weiter. Ansonsten wirke sich der Krieg im Nahen Osten nur marginal aus. "Die Unternehmen haben die Sorge, dass der Ölpreis sich auf dem hohen Niveau hält oder noch weiter steigt. Außerdem gerät die Mehrwertsteuer immer mehr ins Blickfeld." In der Folge äußerten sich die rund 7.000 befragten Betriebe pessimistischer zu ihren Geschäftsaussichten für das kommende halbe Jahr. Der Teilindex der Erwartungen knickte von 104,2 auf 102,6 Punkte ein.

Auch die momentane Geschäftslage wurde schlechter bewertet. Der Teilindex der Lage gab von 109,4 auf 108,6 Punkte nach; das war der erste Rückgang seit November 2005. Grund ist laut Russ, dass die positiven Effekte der Fußball-WM abgeklungen sind. "Die Lage ist aber weiter gut."

Verbraucher nach WM wieder mit weniger Kauflust

Im Juli trübte vor allem ein Stimmungsknick im Einzelhandel das Geschäftsklima. Nach den guten Geschäften rund um die WM kehrte Ernüchterung ein. Sowohl die momentanen Geschäfte als auch die Zukunftsaussichten wurden schlechter beurteilt. Konjunkturexperte Russ sagte, die Delle sei nur im Vergleich zu den hohen Verkaufszahlen des Vormonats zustande gekommen. Insgesamt sei die Situation im Einzelhandel recht gut.

Die Industrie berichtete von schlechteren Geschäften und wachsender Skepsis für das nächste halbe Jahr. Die Chancen im Exportgeschäft wurden etwas schlechter beurteilt, weil der Boom in der Weltwirtschaft langsam auslaufe. Laut Russ läuft der Export aber weiterhin hervorragend.

Den leichten Rückgang beim Auslandsgeschäft könne die wachsende Inlandsnachfrage auffangen, sagte der ifo-Experte. "Die Binnennachfrage zieht immer mehr an." Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen sei weiter hoch. Die Verbraucher zögen wegen der höheren Mehrwertsteuer ab 1. Januar Einkäufe vor. "Der Konsum profitiert in diesem Jahr", sagte Russ. Für nächstes Jahr sei ein Rückgang zu erwarten. Außerdem bestehe die Gefahr, dass den Verbrauchern weniger Geld übrig bleiben wird, wenn sie teurer tanken oder heizen müssten.

Am Arbeitsmarkt rechnete der ifo-Experte nur mit einer leichten Entspannung. Die Produktion ziehe zwar seit längerem an, aber Industrie und Handel schafften vor allem Minijobs, keine Vollzeitstellen.

Quelle: rp-online

© MIT Kreis Viersen 2020 Erstellt mit dem CDU-Baukasten unter Joomla! Ein Service der VANAMELAND